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Blog der TGA-Gruppe

Wann ist ein Gebäude qualitativ gut bestellt?

Alexander Riemer

11.01.2021

Einleitung

Gebäude werden gebaut, um NutzerInnen Raum und Nutzen zu bieten und sie sollten dem Betreiber einen einfachen und effizienten Betrieb ermöglichen, auch im energetischen Sinn.

Ob ein Gebäude qualitativ gut bestellt ist, ist eine vielfach und von verschiedenen Seiten gestellte Frage. Zumeist bei der Planung, oftmals während der Bauphase und zu oft in der Betriebsphase.

Für brauchbare Antworten ist eine nützliche Methode zur Bewertung der unterschiedlichen Einflussfaktoren erforderlich - und wenn diese Faktoren gefunden sind, soll nach Möglichkeit eine Guideline bzw. Checkliste die Auswahl und den Fokus auf richtige Schritte unterstützen.

So eine Checkliste plant die TGA-Gruppe im Laufe der kommenden Monate bereitzustellen, ähnlich den 13 Geboten der Gebäudeplanung aus dem Jahr 2015.

Anders als zum Selbstzweck dienen Gebäude dem Nutzer und sollen dem Betreiber einen reibungslosen I) einfachen und auch II) energetisch effizienten Betrieb sicherstellen.

Nutzer-Anforderungen und Betreiber-Anforderungen sind jedenfalls zwei separate Themen und für den Gebäudebetrieb „ab Übergabe“ braucht es offensichtlich mehr Vorgaben als heute üblich.

Interdisziplinäre Planung

Grafik: Interdisziplinäre Planung / Beispiel an Einflussfaktoren, Basis C. Pillwein, 2020

 

Ein Leitfaden

Um einen brauchbaren Leitfaden zu erhalten, planten wir einen Workshop mit dem Ziel der Entwicklung einer Anleitung, welche die Bestellinhalte für gut funktionierende Gebäude beschreibt. Mit „gut funktionierenden Gebäuden“ ist aus Sicht des Nutzers nutzergerecht und aus Sicht des Betreibers ein reibungsloser Betrieb gemeint.

Diskutiert werden sollten die relevantesten Fragen im Rahmen der Bestellung von Gebäudeprojekten, gewichtet nach Wertigkeit und mögliche Antworten. Als Teilnehmer sollten in der Hauptsache Betreiber und Nutzer VertreterInnen geladen werden, die deren Anforderungen in Anwesenheit und mit Architektinnen, Planern und Lieferanten festlegen.

Der Leitfaden beschreibt bzw. empfiehlt Bestellinhalte für gut funktionierende Gebäude, die dem Nutzer gerecht werden und dem Betreiber einen reibungslosen - die Kriterien der ökologischen und ökonomischen erfüllenden - Betrieb ermöglichen.

Zielgruppe für die Unterlage sind (A) Investoren in oder vor der Entscheidungsphase, (B) NutzerInnen allgemein und (C) Betreiber aus Sicht eines möglichst optimalen Betriebes.

Ein begleitender Survey

Das Gespräch sollte ergänzt werden um eine Umfrage, adressiert an folgende im Prozess Mitwirkende: ArchitektInnen, Facility ManagerInnen, Nutzer, Investoren und Bauherren.

Als Schlüsselfragen haben sich nachfolgende Kriterien ergeben:

A) Was bedeutet für die oben genannten Adressaten Qualität in (I) der Ideenphase (der Gebäudeentwicklung), (II) Planungsphase (der Gebäudeentwicklung), (III) Ausschreibungsphase (der Gebäudeentwicklung), (IV) Ausführungsphase (der Gebäudeentstehung), (V) Betriebsphase (des Gebäudes), (VI) Revitalisierung (des Gebäudes) und (VII) im Zusammenhang mit dem Rückbau C2C (des Gebäudes)?

B) Welche Kriterien sind für die Adressaten für die Gesamtqualität von Gebäuden relevant hinsichtlich (I) Informationen über das Gebäude, (II) Eigenschaften des Gebäudes und (III) Funktionen des Gebäudes?

C) Welche Kriterien sind für den Kundenkreis der Adressaten für die Gesamtqualität von Gebäuden relevant hinsichtlich der Frage, (I) welche Informationen Gebäude liefern müssen, (II) welche Eigenschaften Gebäude haben sollen und (III) welche Funktionen Gebäude bieten müssen?

Verständnisfragen zur Bestellqualität
Es stellt sich für verschiedene Beteiligte die Frage, was Bestellqualität für wen überhaupt ist und in welchem Zeitraum? Also wie unterscheiden sich Richtlinien (I) eines Developers von einem Nutzer, (II) eines Nutzers von einem Auftragnehmer und (III) eines Sub-Auftragnehmers von einem Auftragnehmer.

Verständnisfragen zum Nutzer
Gemeint ist hierbei die (I) Anzahl Nutzer, (II) deren Altersstruktur hinsichtlich Mobilität, (III) deren Grundanforderungen und in diesem Zusammenhang konsequenter Weise die Frage nach der geplanten Lebenszyklusdauer des Gebäudes sowie des Immobilientyps überhaupt. Was fördert die Produktivität eines Nutzers?

Verständnisfragen zum Zeitraum bzw. der jeweiligen Lebensphase
Ideenphase - Planungsphase - Ausschreibungsphase - Ausführungsphase – Betriebsphase - Revitalisierung - Rückbau C2C

Verständnisfragen zu Bestellqualität und dem Zeitpunkt „echter“ Fertigstellung
Darf während des Bauens noch immer geplant werden und ist die Bestellqualität von Anfang so definiert, dass beim Bauen weitergeplant werden kann? Was, wenn Fehler erkannt werden?

Verständnisfragen zur Bewertung „gut oder schlecht“
Welche Kriterien machen einen Raum bzw. ein Gebäude für eine Benutzerin gut oder schlecht?

Verständnisfragen zu TGA-Themen
Wer darf/soll was bedienen und welche Reaktionsgeschwindigkeit wird erwartet? Wird Technologie nach Komfortparametern oder nach Funktionalitätsparametern bestellt? Ist die Funktionalität auf Basis von Simulation oder auf Basis von Erfahrung geplant? Wird nach Ausführungs-Zeit bestellt (zuerst Fassade, dann Steuerbauteile, dann der Programmierer? Oder wird nach Engineering-Zeit (Planungszeit) bestellt? Welche Protokolle sollen verwendet werden und sind Kosten für „Sprachvermittler“ geplant? Ist Flexibilität geplant, wenn sich Räume verändern (Licht / Fassade / Heizung Kühlung / Ventilation)? Sind ganzheitliche Ansätze enthalten, z.B. Klimaanlage mit Befeuchtung kombiniert?